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Für diese Wahnsinnsfahrt bekam der Fahrer:

1. 2 Jahre Gefängnis ausgesetzt auf 3 Jahre Bewährung
2. 5 Jahre Führerscheinentzug
3. 1500,- Euro Geldstrafe
4. 400 Stunden gemeinnützige Arbeit
5. Übernahme der Prozesskosten

Für manchen Leser mag diese Strafe viel bedeuten. Im Verhältnis gesehen, dass drei Kinder durch diesen Mann gestorben sind und nicht mehr ihr Leben leben dürfen, ist diese Strafe bei weitem nicht angemessen. Er lebt und kann alle Annehmlichkeiten des Lebens genießen. Er kann alles tun, was ihm Spaß bereitet, da er nicht ins Gefängnis gehen muss, hat er keinerlei Einschränkung. Ohne Führerschein zu leben ist für mich keine Einschränkung. Er muss ja nicht alles zu Fuß erlaufen, es gibt einen öffentlichen Nahverkehr. Die 1500 Euro Geldstrafe tun ihm nicht wirklich weh, die kommen einem gemeinnützigen Verein (gegen Alkohol und Drogen) zu Gute. Im Gegensatz dazu dürfen wir bis an unser Lebensende ein Grab pflegen, was diese Kosten ganz sicher bei weitem übersteigt, denn das tun wir mit Liebe - viel Blumen und anderen Dingen. 400 Stunden gemeinnützige Arbeit sind bei einer 40-Stunden Woche also 10 Wochen Arbeit für die Gemeinschaft.

Was ist an diesem Urteil "erzieherisch" ?

Seit dem der Mann seinen Führerschein besitzt ist er als Raser bekannt. Mit solchen Urteilen erzieht man keinen Raser.

Im übrigen ist er nach Jugendstrafrecht verurteilt wurden. 5 Monate fehlten am Erwachsenendasein. Seinen Führerschein hatte er mit 18 Jahren gemacht, danach 2 Jahre Führerschein auf Probe und den mit Glück behalten (keine Kunst bei den geringen Verkehrskontrollen auf dem Land). Ich frage mich, ob es einen Führerschein für Jugendliche und einen Verkehrsraum für diese gibt? Ich dachte immer der Straßenverkehr ist für alle das Gleiche. Gleiche Rechte - gleiche Pflichten! Aber offensichtlich haben Jugendliche einen Freifahrtschein und das Jugendrecht kann man ja beliebig weit auslegen.

Einige Zeitungsberichte werde ich noch auf den nächsten Seiten anhängen, die sehr interessant sind, was die Rechtssprechung in diesem Land anbelangt.

Jeder in diesem Land sollte hoffen und beten, nie Opfer eines angetrunkenen Autofahrers zu werden. Die Opfer sind die Dummen - in jedem Fall!

In diesem Land ist es schlimmer eine Leitplanke zu zerstören oder Steuern zu hinterziehen. Da kennt Vater Staat aber kein Erbarmen.

Ein Menschenleben zerstören ?! - "Kann ja mal passieren! Sorry!"

Im übrigen stand in der Urteilsbegründung noch als für den Täter positiv sprechendes, sein reuiges Verhalten. Ich musste mich wirklich sehr wundern. Er hat zu dem ganzen Vorgang nicht eine Aussage persönlich gemacht, sondern zu Beginn des Prozesses eine Einlassung durch seinen Verteidiger verlesen lassen. Er hat während des ganzen Prozesses nicht eine Träne vergossen, kaum auch nur ein Minenspiel gezeigt, bis auf wandernde Kieferknochen und am Ende des Prozesses drei Sätze von einem Zettel abgelesen.

Er hat sich in der ganzen Zeit nicht einmal wirklich an uns gewandt. Oder ist vielleicht mit Reue seine Unterschrift unter dem Brief seiner Eltern wenige Tage nach dem Unfall gemeint? Wie reuig! Wenn das als Reue vor Gericht schon zählt, was bedeutet dann eigentlich der Begriff "REUE"?

Ich kann mich über all das nur wundern, aber ich weiß heute auch, weshalb das so wunderbar in Deutschland mit diesen milden Urteilen klappt. Erst zieht man den Beginn des Prozesses in die Länge (Zeugen können sich dann bekanntlich schlechter erinnern, gut für den Angeklagten). Dann werden zu Prozessen wie dem unsrigen (Landgericht) keine wortwörtlichen Protokolle geschrieben. Gehen dann die Opfer in Revision, müssen sie mit einer Urteilsbegründung auskommen.  In unserem Falle heißt das, dass offensichtliche unterschlagene Zeugenaussagen und verdrehte Tatsachen in der Urteilsbegründung stehen bzw. nicht stehen und wir kaum eine Chance haben, ohne diese Protokolle dagegen vor zu gehen. Mitschriften von Staatsanwälten gelten vor dem Bundesgerichtshof nicht. Und dann vergeht wieder viel Zeit, die Zeugen können noch mehr vergessen. Die Opfer werden langsam weich, flüchten sich zu psychologischen Beratungen, verzweifeln, werden mut- und hoffnungslos. Und genau aus dieser Position heraus kämpft kaum noch einer. Wir sind irgendwann am Ende. Und genau darauf läuft es hinaus. Gut für die Täter!

Alle Macht den Rasern! Freie Fahrt für Deutschlands Möchte-Gern-Schumis!

Nette Urteile für Totfahrer!

Nur den Tätern geht es gut. Unserer versteckt und schämt sich ganz und gar nicht. Der nimmt ganz normal am öffentlichen Jugendleben teil. Der versinkt keinesfalls vor Scham im Boden. Schon wenige Wochen nach dem Unfall war er schon wieder in der Disko zu treffen. Das deckt sich mit vielen Aussagen anderer betroffener Eltern.

Mancher Leser wird mir vielleicht Verbitterung vorhalten. Ich frage zurück: Möchten wir tauschen? Ich nehme ein "normales" Leben mit alltäglichem Kleinkram und biete dafür mein zerstörtes Leben.

Die Urteile werden immer im Namen des Volkes gesprochen.   

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