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Für seine Handlungen sich allein verantwortlich fühlen und allein ihre Folgen, auch die schwersten, tragen, das macht die Persönlichkeit aus.

Ricarda Huch

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Am 7.Januar 2004 begann der Prozess gegen den Todesfahrer. Zum ersten Mal sollten wir denjenigen sehen und ihm gegenüber sitzen, der unsere Tochter mitten in Kassels Innenstadt zu Tode raste. Die innere Unruhe war fast unerträglich. Nachts war kaum mehr ein Schlafen möglich.

War unser Glauben an die Gerechtigkeit bis zum 7.Januar noch wenigstens in Grundzügen erhalten, so sind wir heute der festen Überzeugung, dass in diesem Land ein Menschenleben in jeder Hinsicht nichts wert ist. Es gilt nur, den Täter zu schützen und ihn so wenig wie möglich zum wirklichen Nachdenken anzuregen.  

Sehr oft hörten wir schon vorher die Worte: „Macht euch nur nicht zu viel Hoffnung.“ Wie unbarmherzig! Ist es verkehrt zu hoffen, dass der Täter eine angemessene Strafe bekommt? Würden die, die solches sprechen, das Gleiche sagen, wenn sie selbst ein Kind auf solch grausame Weise verloren hätten? Wozu gibt es Gesetze in diesem Land, wenn dann doch das Übertreten kaum wirkliche Konsequenzen hat?  

Ja, die Hoffnung ist nun auch zu Grabe getragen, die Hoffnung auf Gerechtigkeit.

Unser Kind ist tot und der Täter läuft frei herum, kann sein Leben in vollen Zügen genießen. Unser Kind ist tot! Wir müssen mit dem Verlust leben. Tiefer Unglauben hat sich um uns gelegt und unsere Meinung zu diesem Land ist bis ins Mark erschüttert. Das ist für mich kein Rechtsstaat mehr. Heute und hier nenne ich es nicht fahrlässige Tötung. Der Fahrer hat unser Kind zu Tode gerast. In der Rechtssprechung ist dieser Vorgang eine fahrlässige Tötung. Unter "fahrlässig" verstehe ich, dass da etwas passiert ist, was man unter Beachtung der allgemeinen Regeln so nicht gewollt hat. Ist das noch "fahrlässig", wenn einer wie ein Wahnsinniger durch die Stadt rast? Trotz besseren Wissens? Und es kommt noch dicker. Im Verkehrsrecht gilt nicht das Ergebnis (3 Tote, 1 Schwerverletzte) nein, nur die Alkoholfahrt zählt.  


Da wir nach dem Urteil als Nebenkläger in Revision gegangen sind, ebenso wie alle anderen Beteiligten an diesem Prozess (von der Staatsanwältin bis zum Verteidiger) kann und möchte ich hier noch keine Einzelheiten zum Prozess bekannt geben.

Das gesprochene Urteil ist bis zu diesem Tage ohne Rechtsgültigkeit:

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